BDA-Preis Bayern

Unser Projekt Mehrgenerationenprojekt Münsing wurde mit dem BDA-Preis Bayern ausgezeichnet.

Beurteilung der Jury

Beinahe wäre es anders gekommen. Denn die Gemeinde Münsing plante auf dem Grundstück eines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs zunächst drei Einfamilienhäuser und drei Doppelhäuser. Der folgende Protest in einer Bürgerversammlung führte dazu, dass der Gemeinderat Arc Architekten zu einer Klausursitzung einlud. Eine Alternative sollte entwickelt werden. Dazu orientierten sich Arc Architekten typologisch am dörflichen Vorbild des voralpenländischen Bauernhauses. Ihr Vorschlag war ein 60 Meter langes Dach, unter dem sich unterschiedliche Wohnformen versammelten. Dieser einfache wie kompakte Vorschlag konnte 80 Prozent der Bürgerstimmen für sich einnehmen, innerhalb weniger Wochen war das Gros der Einheiten des Mehrgenerationenwohnens verkauft. Das macht deutlich: Mitnichten ist das Einfamilienhaus die einzig gewünschte Wohnform im ländlichen Raum.

Die Setzung der beiden Riegel formuliert einen städtebaulichen Abschluss, dahinter erstreckt sich ein herrlicher Landschaftsraum. Jeder der beiden Riegel versammelt 24 Einheiten unter seinem Dach. Die zwei bis fünf Zimmer umfassenden Wohnungen sind eingeschossig, die Häuser zweigeschossig ausgeführt. Die Unterschiedlichkeit der Wohneinheiten schafft eine sympathische und heterogene Bewohnerstruktur. Insgesamt werden bei diesem Projekt je Quadratmeter Wohnfläche nur etwa ein Drittel Nettobauland eines üblichen Einfamilienhausgebiets mit freistehenden Häusern benötigt.

Bemerkenswert ist, dass die zurückhaltende Architektur es schafft, den unterschiedlichen Lebensstilen einen Rahmen zu geben, der den Vorlieben der Bewohnerschaft genügend Raum gibt, diese Unterschiedlichkeit architektonisch aber dennoch ganz subtil vereinigt. Grund dafür ist die leichte und nachhaltige Konstruktion. Ab der Erdgeschossdecke sind alle tragenden Wände, Decken und Dächer sowie die Fassaden als Holzkonstruktion beziehungsweise als Holzelemente ausgeführt. Insgesamt wurden 500 Kubikmeter Holz verbaut. Das entspricht knapp 160 Bäumen. Alle Einheiten erfüllen den KfW55-Standard und werden über die Nahwärme (Hackschnitzel) der Gemeinde beheizt. Beispielhaft ist auch der Vergabeprozess: Um zu verhindern, dass der Neubau eine Enklave für Stadtflüchtige wird, wurden die Einheiten zunächst nur an Münsingerinnen und Münsinger vergeben. Das führte dazu, dass einige Alteingesessene sich entschlossen, ihr Einfamilienhaus zu verkaufen und eine kleinere Einheit im Mehrgenerationenwohnen zu erwerben. So wurde wieder Wohnraum für Familien frei, ohne dazu neue Siedlungsflächen zu erschließen.

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